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Vom Schulversager zum Mentor: Wie Clarence Ching benachteiligte Jugendliche stärkt

Wie die Straits Times berichtet, hat der 32-jährige Clarence Ching in Singapur die Hilfsorganisation "Access Singapore" gegründet, die benachteiligte Schüler beim Aufbau sozialen Kapitals unterstützt.

Vom Schulversager zum Mentor: Wie Clarence Ching benachteiligte Jugendliche stärkt

Sein eigener Werdegang – Normalstrom, ADHS-Diagnose, jahrelanges Gefühl, nicht zu genügen – prägt seinen Ansatz. Für alle, die mit Schülern arbeiten, liefert sein Beispiel eine klare Ansage: Mentoren, Netzwerke und reale Verantwortung wirken oft stärker als jede Nachhilfestunde.

Der Auslöser: Ein Etikett, das blockiert

196 Punkte in der PSLE-Prüfung, Normal (Academic)-Strom, ein zusätzliches Jahr in der Sekundarschule. Ching selbst sagt: „Mit dem Etikett 'Normal' auf der Stirn fühlt man sich wie ein Versager im Bildungssystem." Über Jahre definierte er seinen Wert über Noten, kämpfte mit Konzentration und Selbstzweifeln.

Der Wendepunkt kam nicht durch Förderunterricht, sondern durch eine konkrete Person: die frühere Abgeordnete Lily Neo. Nach den O-Levels begann Ching ehrenamtlich in ihren Sprechstunden zu arbeiten, später recherchierte er für sie und entwarf parlamentarische Reden – Aufgaben, die er sich selbst nie zugetraut hätte. „Ich hatte ein selbstlimitierendes Mindset. Warum kümmert es mich, was andere denken oder woher ich komme?", sagt er heute.

Sozialkapital statt nur Noten

Access Singapore setzt genau dort an, wo Nachhilfe aufhört: am Aufbau von Selbstvertrauen durch echte Aufgaben, berufliche Netzwerke und Mentoren. Ching bringt es auf den Punkt – und das verdient, wörtlich genommen zu werden: „Wenn du Selbstvertrauen hast, ist der halbe Kampf gewonnen."

Die Organisation wurde 2019 gegründet – ohne Geld, ohne Volunteers, ohne Festanstellung im Lebenslauf. Drei Jahre lang kein Gehalt, zwischendurch Lieferjobs. Ching sagt über die Startphase: „Meine Frau nannte Access die dritte Partei in unserer Beziehung, weil ich ihr zu wenig Zeit gab." Wer so ein Programm aufbaut, meint es ernst.

Was das für die Praxis bedeutet

Chings Biografie liefert drei Punkte, die in jeder Schülerförderung sitzen müssen:

  • Etikettierung tötet Potenzial. Wer als „Normal" oder „leistungsschwach" abgestempelt wird, kämpft zuerst gegen das eigene Bild – nicht gegen den Stoff.
  • Mentoring schlägt gutgemeinte Tipps. Verantwortung übertragen verändert mehr als noch so professionelle Ratschläge im Einzelgespräch.
  • Soziales Kapital ist messbar schwer, wirkt aber hart. Netzwerke, Auftreten, Selbstbild entscheiden mit darüber, welche Wege überhaupt offenstehen.

Für Coaches, Lehrkräfte und Vereine heißt das: Wer im Förderalltag nur auf Noten schielt, lässt den entscheidenden Hebel liegen. Der nächste konkrete Schritt ist einfach – prüfen, welche Mentoren, welche realen Aufgaben und welche Netzwerke im eigenen Programm tatsächlich fehlen, und gezielt eine Lücke schließen. Nicht warten, bis die Schüler von selbst fragen.