Peer-Mentoring gegen Einsamkeit: Ein Modell für soziale Arbeit in Bad Tölz
An der Purdue University Northwest zeigt ein Peer-Mentoring-Programm, wie Studierende mit klaren Strukturen aus der Isolation geholt werden.

Laut Student Success Coach Dee Boozer begleiten sechs studentische Mentoren ihre Kommilitonen in Einzelgesprächen und Accountability-Gruppen, die sowohl fachliche als auch soziale Unterstützung bieten. Für Träger in der Schüler- und Flüchtlingshilfe in Bad Tölz liefert das US-Modell konkrete Bausteine, die sich auch ohne Hochschulrahmen umsetzen lassen.
Wie das Programm arbeitet
Mentoren sind studentische Mitarbeiter, die sich in einem Bewerbungsprozess qualifizieren und akademische Mindeststandards erfüllen müssen. Boozer spricht von 45 bis 50 Teilnehmenden pro Semester, von denen viele regelmäßig mehrere Sitzungen besuchen – das wird intern als Zeichen für echte Bindung gewertet, nicht nur als einmaliger Besuch.
Die Accountability-Gruppen starten erst ab der fünften oder sechsten Semesterwoche und laufen rund zehn Wochen. Wer später einsteigt, kann trotzdem jederzeit hinzukommen. Der Zugang ist bewusst niedrigschwellig: keine Anmeldung, keine Warteliste. Interessierte kommen ins Büro, sprechen kurz mit Mitarbeitenden und werden einer passenden Gruppe zugeordnet. Die Begleitung endet nicht mit der Sitzung – das Team verfolgt über das Semester hinweg, wer tatsächlich aktiv ist. Zu Beginn jeder Gruppenstunde legen die Teilnehmenden gemeinsam fest, woran sie arbeiten, was ansteht und welches Ziel sie für die Sitzung haben.
Was sich für lokale Träger daraus ableiten lässt
Drei Punkte entscheiden, ob ein Mentoring-Modell trägt oder zur Alibi-Veranstaltung wird:
- Niedrigschwelliger Einstieg statt Antragsverfahren. Wer kommt, wird aufgenommen – nicht umgekehrt.
- Verbindliche Rhythmen. Accountability funktioniert nur, wenn Termine stehen und Wiederkehr erwartet wird. Wer fehlt, fällt auf.
- Peers vor Profis. Junge Menschen als Mentorinnen und Mentoren einzusetzen senkt die Schwelle für Hilfesuchende und entlastet hauptamtliche Kräfte gleichzeitig.
Für Vereine und Initiativen in Bad Tölz, die Schüler, Auszubildende oder Geflüchtete begleiten, gilt: Ein wirksames Mentoring muss weder hochschulreif noch bürokratisch sein – es muss nur konsequent umgesetzt werden. Wer die eigenen Angebote an den drei genannten Punkten misst, erkennt sofort, wo nachgebessert werden muss.