Mentoring-Strategien für den Nachwuchs: Was wir von US-Experten lernen können
An der Mays Business School der Texas A&M University zeigt eine ehemalige Absolventin, wie Mentoring im Handel funktioniert: Lauryn Hill, 20 Jahre in der Konzernwelt des Einzelhandels bei Neiman…

An der Mays Business School der Texas A&M University zeigt eine ehemalige Absolventin, wie Mentoring im Handel funktioniert: Lauryn Hill, 20 Jahre in der Konzernwelt des Einzelhandels bei Neiman Marcus, The Container Store und Target, ist inzwischen Co-Gründerin des Organizing-Unternehmens The Order Project und kehrt regelmäßig an ihre Alma Mater zurück, um Studierende zu begleiten. Was in den USA als „Giving Back" läuft, ist für die deutsche Ausbildungspraxis direkt übertragbar – nur die Strukturen heißen anders.
Was das Mentoring in Texas konkret trägt
In der Videoserie „Voices of Mays" benennt Hill drei Hebel: Beziehungen vor Transaktionen, das eigene Netzwerk offenlegen, konsequent für Fragen erreichbar sein. Sie gibt ihre Kontaktdaten freiwillig an Studierende weiter, beantwortet auch ungewöhnliche Fragen und bleibt über Jobwechsel hinweg Ansprechpartnerin. Für Auszubildende heißt das: Mentorinnen oder Mentoren, die nach der Probezeit noch abheben, wenn die erste Krise im Betrieb kommt, sind mehr wert als jede IHK-Infoveranstaltung.
Checkliste für die eigene Mentorenschaft
Wer selbst Mentor werden will – ob Handwerksmeister, Werkstattleiter oder junger Geselle mit zwei Jahren Berufserfahrung – sollte abhaken:
- Feste Erreichbarkeit statt Bauchgefühl: ein Wochentag, eine Uhrzeit, ein Medium.
- Eigene Fehler offen benennen, nicht nur Erfolgsstorys.
- Kontakte ins Netzwerk aktiv weitergeben, nicht auf die Frage warten.
- Verbindlichkeit über das Programmende hinaus: mindestens ein Kontakt im Quartal nach Ende der Patenschaft.
Parallel dazu melden aktuell mehrere US-Quellen ähnliche Initiativen: Auburn University startet nach eigenen Angaben ein Peer Advisor Program im College of Education, Crain's Detroit Business ordnet in einem Meinungsbeitrag die Rolle von Mentorinnen und Mentoren für die Bindung von Lehrkräften und Schülerinnen ein, und The Hans India berichtet über den Start eines Volunteer-Systems für Schülerinnen. Details zu Umsetzung und Zahlen sind aus den vorliegenden Schlagzeilen nicht herauszulesen.
Drei Wenn-Dann-Szenarien für Auszubildende
1. Wenn du in der Probezeit merkst, dass der Betrieb dich nicht anlernt: Innerhalb der ersten vier Wochen die Ausbildungsberatung der IHK einschalten. Nicht warten, bis der Ausbilder von allein kommt.
2. Wenn du eine Mentorin oder einen Mentor suchst: Im Betrieb, im Verein, im Sportverein oder im BIZ nach benannten Ansprechpersonen fragen. Die meisten warten nur auf die Frage.
3. Wenn du selbst Mentorin oder Mentor werden willst: Bei einer lokalen Ausbildungslotsen-Initiative, der Handwerkskammer oder der IHK-Bildungsberatung melden. Eine formlose E-Mail reicht für den Einstieg.
Wer aus Bad Tölz und Umgebung eine Mentoring-Partnerschaft aufbauen will, sollte sich nicht an internationalen Schlagzeilen orientieren, sondern beim örtlichen Träger für Coaching und Schülerförderung oder direkt bei der Handwerkskammer München anfragen – dort liegen die Ansprechpersonen konkret auf dem Tisch, nicht im US-Feed.