Vom Dozenten zum Coach: Wie akademische Begleitung Studierende stärkt
Nach einem Beitrag in Times Higher Education verschiebt sich die Unterstützung von Studierenden weg von der reinen Mentoren- oder Beraterrolle hin zu einem coachenden Ansatz.

Coaching statt Belehren: Was Dozierende von der Sport- und Businesswelt lernen können
Kernprinzip: Studierende sind die Expertinnen und Experten ihrer eigenen Situation, die Coaches stellen offene Fragen statt Lösungen zu liefern.
Was Coaching im Hochschulkontext konkret bedeutet
Coaching setzt auf eine nicht wertende, selbstgesteuerte und studierendengetragene Herangehensweise. Es geht darum, Barrieren wie unbewusste Vorurteile, fehlende Zugänglichkeit oder unpassende Unterstützungsmechanismen abzubauen. Studierende identifizieren ihre eigenen Herausforderungen, formulieren Ziele und erarbeiten ihren Aktionsplan selbst. Sie übernehmen Verantwortung und wählen die Lösungen, die für sie funktionieren. Die zentrale Aufgabe der begleitenden Person: offene Fragen stellen, nicht Probleme lösen.
Das Modell stammt laut Beitrag ursprünglich aus Sport, Musik und Wirtschaft. Workplace-Coaching-Pionier Sir John Whitmore habe betont, dass Coaching das Potenzial habe, die eigene Leistung und das eigene Potenzial zu maximieren – durch Lernansätze statt Lehransätze.
Wann Coaching greift und wann nicht
Nicht jede Situation eignet sich. Wer mit psychischen Belastungen zu tun hat, braucht fachliche Hilfe – da ist Coaching fehl am Platz. Auch bei Safeguarding-Themen, rein technischem Erklärungsbedarf oder unter Zeitdruck stößt der Ansatz an seine Grenzen.
Wer es im eigenen Alltag testen will, kann laut Beitrag mit einer einfachen Selbstfrage starten: Kann die Person das selbst herausfinden? Wenn ja, lohnt der coachende Weg. Kleine Veränderungen reichen – eine geschlossene Lösung wird zur offenen Frage. Wer ohne formelle Coaching-Qualifikation arbeitet, kann die Technik trotzdem in Gespräche einbauen, etwa in Tutorien, Reflexionsgesprächen oder Einzelterminen.
Für unsere Arbeit in der Schüler- und Flüchtlingshilfe ist die Grundlogik übertragbar: Wer Verantwortung abgibt, stärkt Eigenständigkeit statt Abhängigkeit. Das funktioniert in der Werkstatt ebenso wie im Klassenzimmer.