Vom obdachlosen Teenager zum Profitrainer: Was Coaching von Aryna Sabalenka für die soziale Arbeit lehrt
Ein Tenniscoach betreut Aryna Sabalenka und macht seine Biografie als einst obdachloser Jugendlicher zum methodischen Werkzeug. Was hat das mit Berufscoaching zwischen Werkbank und Ausbildungshalle zu tun?

Mehr, als die Überschrift vermuten lässt.
Worüber Yahoo Life UK berichtet
Ein Trainer arbeitet nach Angaben des Portals mit der Spitzenspielerin Aryna Sabalenka. Dieselbe Person war als Teenager obdachlos. Diese Lebensphase fließt – so der Bericht – direkt in die tägliche Coaching-Praxis ein. Übersetzt heißt das: Der Coach nutzt das Gelernte, nicht das Erzählte. Ein Unterschied, der für jede Coaching-Diskussion in Deutschland relevant ist.
Drei Punkte, die jeder Ausbildungs-Coach prüfen muss
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch das IHK-Zertifikat allein. Sie entsteht durch sichtbare eigene Umbrüche – und durch deren Übersetzung in Werkzeuge. Wer mit Jugendlichen aus der Flüchtlingshilfe, nach gescheitertem Schulabschluss oder mitten in der Probezeit arbeitet, sollte drei Fragen klar mit Ja oder Nein beantworten:
- Eigene Stationen benannt? Wer seinen Weg klar benennt, öffnet die Gegenseite. Dramatisiert wird nicht – das schließt jede Tür sofort wieder.
- Methode statt Anekdote? Wenn ein Auszubildender nach dem dritten Fehlversuch fragt, hilft keine Geschichte aus der eigenen Jugend. Was hilft: ein Werkzeug, eine Wenn-Dann-Regel, der nächste konkrete Schritt.
- Rolle geklärt? Ein Berufsberater ist kein Therapeut. Wenn der junge Mensch eine Traumatisierung mitbringt, gehört das in die Hände von Sozialarbeit oder Schulpsychologie – nicht in den Coaching-Raum.
Handlungsauftrag für diese Woche
Zwei Aufgaben, nicht mehr:
1. Eigene Liste schreiben. Welche drei Lebenserfahrungen qualifizieren mich im aktuellen Coaching-Alltag? Welche drei gehören ausdrücklich nicht in die Rolle des Berufsberaters? Schriftlich festhalten, nicht im Kopf.
2. Netzwerk aktualisieren. Wen rufe ich an, wenn ein Jugendlicher im Gespräch kippt? Träger in Bad Tölz, psychologische Beratungsstellen, IHK-Ansprechpartner für Krisenfälle. Die Liste gehört aufs Telefon, nicht in eine Schublade.
Wer ohne diese Vorbereitung ins Gespräch geht, riskiert mehr als ein schlechtes Coaching-Ergebnis. Er riskiert, einem jungen Menschen in einer Krise nicht zu helfen, obwohl er helfen könnte.