Mentoring-Modell: Wie bilinguale Schüler die Integration an Schulen nachhaltig stärken
Der Schulbezirk Lincoln Public Schools hat nach eigener Mitteilung einen Förderantrag für das Bridge-Builders-Programm an der Lincoln High School genehmigt.

Kern des Konzepts: Bilinguale Studierende und Alumni der Schule übernehmen Nachhilfe und Mentoring für Englischlernende unter neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern. Für Vereine und Initiativen in der Schüler- und Flüchtlingshilfe ist das kein fernes amerikanisches Modellprojekt, sondern eine Blaupause mit klaren Stellschrauben – übertragbar auf jede Kommune, die Integrationsarbeit leistet.
So funktioniert das Konzept
Bilinguale Schülerinnen und Schüler sowie ehemalige Absolventen der Lincoln High School treten als Mentorinnen und Mentoren auf. Sie geben Nachhilfe und unterstützen neu zugewanderte Jugendliche beim Erlernen der Unterrichtssprache. Drei Punkte machen das Modell für Ehrenamtsstrukturen interessant:
- Die Helfenden sprechen die Sprache auf muttersprachlichem Niveau, brauchen aber keine pädagogische Ausbildung.
- Der Altersabstand zwischen Mentor und Lernendem ist gering. Eine klassische Lehrkraft-Schüler-Hierarchie entsteht erst gar nicht.
- Die Schule organisiert den formalen Rahmen. Das Mentoring läuft schulbegleitend und damit verlässlich im Stundenplan, nicht auf Zuruf.
Was sich übertragen lässt
Englisch ist austauschbar. Was zählt, ist die Tandemstruktur. Für Initiativen in der Flüchtlingshilfe, die in und um Bad Tölz Integrationsarbeit leisten, gilt: Wer in Deutschland bilingual aufgewachsen ist, kann Stundenbegleitung leisten, ohne ein pädagogisches Studium vorzuweisen. Die organisatorische Hürde ist niedrig. Eine schriftliche Vereinbarung zwischen Träger, Ehrenamtlichen und Erziehungsberechtigten reicht für den Start. Der größte Hebel liegt in der Regelmäßigkeit. Einmal wöchentlich über ein halbes Schuljahr schlägt jede Intensiv-Woche, weil Kontinuität das Vertrauen aufbaut, das ein einmaliges Treffen nie liefern kann.
Worauf jetzt zu achten ist
Wer ein ähnliches Programm aufsetzen will, klärt vor dem ersten Treffen drei Fragen verbindlich. Welche Sprachkenntnisse bringt der Mentor tatsächlich mit. Welche Lernziele verfolgt der Jugendliche im laufenden Schuljahr. Und wer koordiniert die Einsätze schriftlich. Ohne diese Antworten läuft jede noch so gut gemeinte Initiative auf ein loses Treffen hinaus. Genau daran scheitern die meisten Vorhaben im ersten Schulhalbjahr – nicht am Engagement der Beteiligten, sondern an der fehlenden Absprache. Wer in Bad Tölz plant, ein solches Programm zu starten, sollte zuerst mit den Schulleitungen der weiterführenden Schulen sprechen, bilinguale Ehemalige gezielt ansprechen und die ersten Einsätze an einem festen Wochentag fixieren. Der Rest ist Handwerk.