Mentoring für junge Frauen: Warum feste Begleitung Ausbildungsabbrüche verhindert
Die Times of India meldet, dass Colleges künftig profilierte Frauen aus der Wirtschaft als Mentorinnen für Studentinnen identifizieren wollen.

In dieselbe Richtung bewegen sich Meldungen aus Goa, von der University of California und von den Philippinen: Überall werden Mentoring-Programme neu aufgestellt, mit konkreten Rollen, Zeitbudget und Auswahlverfahren. Für unsere Arbeit in Bad Tölz ist die Stoßrichtung eindeutig. Wer junge Frauen in Handwerk und Technik früh an eine erfahrene Begleitung bindet, drückt die Abbruchquote. Wer das nicht tut, verliert sie.
Vier Meldungen, ein Muster
Ende August und Anfang September berichten vier sehr unterschiedliche Institutionen über den gleichen Hebel. Die Times of India kündigt an, Colleges wollten profilierte Frauen aus der Wirtschaft als Mentorinnen für Studentinnen gewinnen. ET Education berichtet aus Goa, dass 40 Forschungsmentoren von NCPOR, IIT Goa und BITS Goa mit Studierenden zusammengebracht wurden. Die University of California investiert nach eigenen Angaben in Stipendien, die Mentoring und Forschung für Nachwuchsführungskräfte verbinden. Auf den Philippinen stellen FEU und MAP laut Manila Times das Mentoring in den Mittelpunkt ihrer Praktikumsprogramme.
Was diese vier Meldungen verbindet, ist kein Zufall. Es geht nicht mehr um ein freiwilliges Nebenprojekt oder eine schöne Kaffeepause. Mentoring wird institutionell eingebaut, mit Auswahl, Zuständigkeit und messbaren Erwartungen.
Was das für Bad Tölz konkret bedeutet
Die internationale Richtung lässt sich auf eine ehrliche Bestandsaufnahme runterbrechen. Wie viele der Jugendlichen, die wir begleiten, haben aktuell eine feste Ansprechperson außerhalb der Familie? Wie viele junge Frauen in technischen Ausbildungsberufen kennen überhaupt eine Frau, die diesen Weg schon gegangen ist? Wenn die Antwort zu leise ausfällt, ist das kein Stimmungsbild, sondern ein konkreter Handlungsauftrag.
Drei Punkte gehören jetzt auf den Tisch:
- Bestand an Kontakten: Welche Handwerksbetriebe, Ingenieurbüros oder technischen Abteilungen in der Region haben wir bereits an der Hand, die eine Mentorenschaft übernehmen würden? Eine ungeprüfte Liste ist keine Liste.
- Auswahlkriterien: Wen suchen wir - nach Alter, nach Berufsjahren, nach Bereitschaft, monatlich Zeit zu investieren? Ohne Kriterien wird jede Vermittlung zum Glücksspiel.
- Matching-Regel: Eine Mentorin, die thematisch passt und in der Nähe arbeitet, schlägt jede Zufallsvermittlung aus der Ferne. Diese Regel steht vor dem ersten Gespräch, nicht danach.
Was als Nächstes zu tun ist
Die Programme aus Goa, Kalifornien und Manila lassen sich nicht eins zu eins kopieren, und das müssen sie auch nicht. Sie zeigen nur, ab welchem Punkt Mentoring vom Goodwill zur Struktur wird. Wer in Bad Tölz Jugendliche oder geflüchtete Menschen in Ausbildung bringt, sollte bis Ende des Quartals eine Liste auf dem Tisch haben: zehn Unternehmen, zehn Kandidatinnen und Kandidaten, ein dokumentierter Matching-Prozess. Wer das in 90 Tagen nicht aufstellt, sollte sich fragen, ob er oder sie das Thema überhaupt ernst nimmt. Alles andere ist warme Luft.