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Falsche Schulabschlüsse in Vechta: Wenn Verwaltungsfehler die Zukunft verbauen

Nach Recherchen von News4teachers handelt es sich um 107 falsch vergebene Abschlüsse aus den Schuljahren 2019/20 bis 2025/26.

Falsche Schulabschlüsse in Vechta: Wenn Verwaltungsfehler die Zukunft verbauen

An der Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta wurden über Jahre hinweg mehr als 100 Abschlüsse falsch vergeben – zu Lasten der Schülerinnen und Schüler. Die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg hat sich dafür entschuldigt und Korrekturen angekündigt. Für betroffene Jugendliche ist das ein alarmierendes Zeichen: Die eigenen Zeugnisse sind kein unfehlbares Dokument, sondern müssen aktiv geprüft werden.

Das Ausmaß des Fehlers

In 56 Fällen hätte ein Erweiterter Sekundarabschluss I vergeben werden müssen, in 49 Fällen ein Realschulabschluss. Zwei Schüler erhielten gar keinen Abschluss, obwohl sie einen Hauptschulabschluss verdient hätten. Der Grund: Die Schule wandte die sogenannten Ausgleichsregelungen aus der Abschlussverordnung falsch an. Mit diesen Regeln können zu schlechte Noten in einem Fach durch gute Noten in einem anderen Fach ausgeglichen werden – vorausgesetzt, die Regeln werden korrekt angewendet. Die Fachnoten selbst, so das Ministerium, seien nicht falsch gewesen.

Die direkte Folge: Lebenszeit und Karrierechancen verloren

Das Beispiel der ehemaligen Schülerin Sanem Arduc zeigt die konkreten Konsequenzen. Durch den fehlerhaften Realschulabschluss verzögerte sich ihr Bildungsweg um drei Jahre. Ihr ursprünglicher Plan, direkt die Fachhochschulreife zu erlangen, scheiterte. Stattdessen musste sie die 10. Klasse wiederholen und besucht nun mit 22 Jahren noch eine Wirtschaftsschule, um ihr Abitur nachzuholen. Die Zeit, die ihr dadurch verloren ging, lässt sich nicht kompensieren. Psychischer Druck und verpasste Berufschancen sind die unbezahlbaren Nebenwirkungen solch administrativer Fehler.

Handlungsaufforderung für Betroffene und Schulabgänger

Das Land Niedersachsen will alle betroffenen Schüler schriftlich informieren und korrigierte Zeugnisse zusenden. Doch bis diese Briefe eintreffen, gilt: Betroffene sollten nicht passiv warten. Wer zwischen 2019 und 2025 an einer niedersächsischen Oberschule oder Gesamtschule seinen Abschluss gemacht hat und den Verdacht hat, dass sein Abschluss zu niedrig ausgefallen sein könnte, sollte jetzt aktiv werden. Der erste Schritt ist, das eigene Zeugnis mit den aktuellen Vorgaben der Abschlussverordnung zu vergleichen. Die zweite Anlaufstelle ist die Schule selbst oder das zuständigen Regionale Landesamt für Schule und Bildung in Osnabrück. Dort wurde eine spezielle Beratungsstelle eingerichtet. Wer durch einen fehlerhaften Abschluss finanzielle Nachteile erlitten hat, etwa durch ein selbst bezahltes Nachholjahr, hat nach Angaben des Kultusministeriums Anspruch auf Erstattung.

Der Fall ist ein klarer Praxisfall für den Grundsatz: Vertraue, aber verifiziere – vor allem bei Dokumenten, die deine berufliche Zukunft bestimmen.