Bildungskrise in Deutschland: Warum der neue Pisa-Schock zum Handeln zwingt
Nach der neuen Pisa-Auswertung der TU München erreichen 15-Jährige in Deutschland in Naturwissenschaften 486 Punkte, im Lesen 465, in Mathematik 464 – so wenig wie nie seit Studienbeginn.

Rund ein Drittel der Jugendlichen beherrscht die Grundlagen in Lesen und Mathe nicht, ein Fünftel in allen drei Testfeldern. Für den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf ist das kein Randthema, sondern ein Bremsklotz, der früh entschieden wird – von jedem Einzelnen.
Was die Zahlen konkret heißen
Die Tests liefen im April und Mai 2025, bundesweit nahmen rund 6.700 Schüler teil, weltweit über 760.000 in 91 Staaten. Deutschland landet damit etwa im OECD-Schnitt und teils leicht über dem EU-Mittel. Das klingt nach Mittelfeld, ist aber keines: Japan kommt zum Vergleich auf 538 Punkte in Naturwissenschaften, 503 im Lesen, 525 in Mathe. Der OECD-Trend zeigt nach unten – Deutschland surft auf einer sinkenden Plattform mit.
Der Verlauf: Bis etwa 2012 ging es bergauf, seit 2015 wieder abwärts. Studienleiter Samuel Greiff sagt dazu: „Der Negativtrend ist kein Schicksal und auch kein Naturgesetz. Bildungssysteme können sich verändern." Stimmt. Nur passiert das nicht von allein.
Bayern: 1,77 Millionen Schüler, weniger Stellen
Zum Schuljahr 2026/2027 erwartet Bayern nach Angaben von Kultusministerin Anna Stolz rund 1,77 Millionen Schüler – der höchste Stand seit 15 Jahren, etwa 20.000 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig gilt ein Moratorium für Lehrerstellen. Rund 4.100 Neueinstellungen decken nur die Abgänge, neue Stellen sind tabu. Immerhin starten rund 5.000 Referendare in den Vorbereitungsdienst – so viele wie seit Jahren nicht. Der Bayerische Realschullehrerverband warnt trotzdem vor Engpässen und fordert gezielte Unterstützung für die Berufsorientierung an den Schulen.
Im Klartext: größere Klassen, dichterer Stoff, weniger individuelle Förderung. Gabriele Triebel von den Grünen im Landtag bringt es auf den Punkt: „Die Ministerin macht einen großen Bogen um den Elefanten im Raum: nämlich den gravierenden Lehrkräftemangel an Bayerns Schulen." So sieht der Alltag an vielen Schulen aus.
Was Schüler und Eltern jetzt tun
Keine pädagogischen Phrasen, sondern eine knappe To-do-Liste für alle, die in den nächsten Jahren in Ausbildung starten:
- Lücken prüfen. Wer in Mathe oder Lesen schwach steht, nutzt die Nachhilfeangebote der Schule, solange es noch freiwillig geht. Wartet man auf das Zeugnis, kostet es mehr.
- Praxis suchen. Praktika, Ferienjobs, Schnuppertage im Betrieb. Wer einmal gesehen hat, was ein Beruf wirklich verlangt, lernt im Unterricht automatisch motivierter – und weiß, worauf er hinarbeitet.
- Berufsorientierung ernst nehmen. IHK und Handwerkskammer beraten kostenlos. Mindestens zwei Berufe realistisch vergleichen – nicht nur Gehalt, auch Aufstiegschancen und Standort.
- Eigenverantwortung übernehmen. Lehrermangel entlastet keinen Schüler von der Pflicht, im Unterricht mitzuarbeiten. Wer aufpasst, Aufgaben macht und nachfragt, baut sich das Fundament selbst.
Die Pisa-Welle 2025 ist ein Warnschuss. Was daraus wird, entscheidet sich nicht in Berlin, sondern im Klassenzimmer und am Ausbildungsplatz. Jetzt ist der Moment, damit anzufangen – nicht erst nach dem nächsten Schock.